MUTTERLEBEN.CH
Mütter mitten im Leben

Helikopter-Eltern - Fürsorge hoch zwei

Helikopter Eltern Verhalten

Eltern, die ihre Kinder ständig überwachen und betreuen, immer um sie herumkreisen, um dem Kind jederzeit helfen und es schützen zu können, werden von Experten als Helikopter-Eltern bezeichnet. Dies sind die Mütter und Väter, die ihr Kind ständig vor allen möglichen Gefahren schützen und behüten wollen, und dabei alles für ihre Kinder organisieren - im Glauben, damit deren Fähigkeiten und Karrieren zu fördern. Sie meinen es nur gut mit ihren Kindern, doch machen Sie sich und ihrem Nachwuchs mit einer übertriebenen Fürsorge damit das Leben schwer. Wer seine Kinder ständig überwacht, verwehrt ihnen die Selbstständigkeit. Was dagegen hilft, ist für die Eltern nicht einfach: mehr Mut. Schrittweises Loslassen hilft dabei, grundsätzliche Erfahrungen zu machen.

Oftmals können Eltern ihre Kinder jedoch nicht einfach so loslassen und sie so immer mehr in die Selbstständigkeit führen. Wer über die lange Zeit der Kindheit immerwährend für seinen Sprössling da war, ihn umsorgt und dessen Abhängigkeit sowie das Bedürfnis nach Nähe gespürt hat, hat Probleme mit diesem vernunftgeleiteten Schritt. Eltern möchten weiterhin wachen und für das Wohl des Kindes sorgen. Tatsächlich haben viele Eltern Mühe, ihr Kind weinend in den Armen der Kindergärtnerin zurückzulassen, es alleine den Schulweg beschreiten zu lassen, die verschiedenen Konflikte mit seinen Spielkameraden selber lösen möchten oder das fast erwachsene Kind seine berufliche Karriere selbst plant.

Wenn Du auf einem Spielplatz die gesamte Umgebung betrachtest, wirst du erkennen, welche Eltern potenzielle Helikopter-Eltern und immer präsent bei ihrem Kind sind. Ein paar Mütter oder Väter diskutieren oder sitzen auf der Bank zusammen. Einige Eltern sitzen hingegen gemeinsam mit ihren Kindern im Sandkasten, rutschen, schaukeln und machen Spielangebote. Das Kind einfach alleine spielen zu lassen, trauen die Eltern ihren Kindern oft gar nicht zu.

Unbezahlte Animateure

Wenn das Kind früher von einem Spielkameraden besucht wurde, waren sie oft auf sich gestellt. Brauchten sie während dem Spiel etwas, mussten sie zur Mutter oder zum Vater gehen oder es selbst besorgen. Heute sind viele Eltern der Meinung, dass sie ihrem Kind und dem Besucherkind etwas bieten müssen. Hier geht es nicht um einen einfachen Kakao oder ein Eis am Stiel - Eltern werden mit einem Angebot für ein Bastelprojekt oder einer Einladung zum Kuchenbacken zum Alleinunterhalter. Dabei gibt es keine Altersuntergrenze, denn schon bei Verabredungen des Kleinkindes sitzen die Eltern oftmals dabei und bieten dem Nachwuchs Spielideen an.

Eltern entscheiden über das tägliche Programm der Kinder, organisieren das Spiel und lösen ihre Konflikte. Die Kinder treffen sich nicht mehr auf der Strasse oder alleine in der Umgebung, sondern haben schon einen vollen Terminkalender, sind beim Kinderturnen, im Musikkurs, lernen Englisch oder spielen unter Beobachtung auf dem Indoor-Spielplatz. Soziologen nennen diese Entwicklung „Verinselung“, nach der die Kindheit nicht mehr in der gesamten Umgebung, sondern nur noch auf kleinen ausgewählten Plätzen stattfindet.

Ursachen für Helikopter-Eltern

Aber was hat diesen Erziehungsstil von „Helikopter-Eltern“ geprägt, in dem Sie das Kind überbehüten, es vor Gefahren schützen wollen und das Leben komplett organisieren? Vielleicht weil es ein langersehntes Wunschkind ist oder moderne Eltern sich enger an ihr Kind binden wollen?

Wer mag sich schon den Vorwurf gefallen lassen, seinem Kind nicht alles bieten zu können? So wird dem Kind ein Animationsprogramm durch verschiedene Möglichkeiten von Freizeitunterricht, Sport- und Unterhaltungsmöglichkeiten geboten. Dabei entsteht eine noch engere Bindung zum Kind sowie eine übersteigerte Erwartungshaltung, was unweigerlich Schwierigkeiten beim Loslassen ergibt. Natürlich ist die Geburtenrate in den letzten Jahren zurückgegangen und in vielen Wohneinheiten oder Quartieren ist es nicht mehr so einfach, Spielkameraden zu finden. In der Regel ist es aber so, dass ein Kind, das ein Kind zum Spielen will und sucht, es auch findet. Dazu bedarf es nur des Mutes der Eltern, das Kind diese Aufgabe selbst erfüllen zu lassen.

Angst, Eigenverantwortung und Erfolge

Wenn Eltern ihren Platz immer bei dem Kind haben, ist es besonders schwierig, das Kind langsam zur Selbstständigkeit zu führen. Eltern sind so dienstbare Geister, die jederzeit bereit sind, einzugreifen oder sich einzumischen, auch wenn sie es eigentlich besser wissen müssten, wie wichtig es für den Nachwuchs ist, seine eigene Erfahrungen und Fehler zu machen. So rauben Sie ihren Kindern nicht nur die Negativerfahrungen sondern auch die wichtigen Erfolgserlebnisse und tun weder sich, noch ihren Kindern einen Gefallen.

Viele Eltern sind durch schreckliche Geschichten in den Medien sehr verängstigt. Das Kind alleine hinaus zu schicken ist undenkbar, denn Kinder gelten heute als dauergefährdet und das unbeaufsichtigte Spielen als sehr leichtsinnig. Die Grundlage dieser Paranoia, welche die Eltern spüren, sind ihre eigenen Sorgen, die sie auf das Kind übertragen. Die Bedrohung ist nicht real und die Gefahren für Kinder sind heute nicht grösser geworden.

Kinder spüren die Ängste der Eltern. Wer alles permanent kontrolliert, zeigt damit nicht nur die eigene Verunsicherung, sondern signalisiert damit auch den Unglauben an das Kind. Damit wird das Kind vielleicht vor möglichen Gefahren geschützt, aber es auch nicht lernen können, sich etwas zu trauen. Dabei sind Sätze von den Eltern zu hören wie 'Dazu bist du noch zu klein' oder 'Lass nur, ich mach das schon'. Dieses Verhalten erzieht Kinder dazu, die Verantwortung an andere abzugeben, wodurch sie träge, lust- und einfallslos werden.

Kinder, die nie alleine spielen und immer beaufsichtigt werden, wird das Lernen der Selbstbeschäftigung verwehrt. Sie können nicht die Erfahrung machen, wie man mit Risiken und Gefahren umgehen kann oder soll. Ein Kind, das keine Fehler machen kann, lernt nicht, damit umzugehen und kann auch nicht an ihnen wachsen.

Es gibt keine Richtlinien oder Rezept dafür, ab wann Kinder etwas allein bestimmen dürfen oder sollen. Geben Sie Ihrem Kind die wichtigen Freiräume, wo immer Sie es verantworten können. Dazu gehört in manchen Situationen etwas Herzklopfen dazu. Loslassen ist leicht und einfach - wenn es gelingt, freuen sich die Eltern und die Kinder.

Wie viel Überwachung muss sein?

Kinder sollten natürlich nicht sich selbst überlassen werden, denn sie können manchmal echte Gefahren nicht erkennen. Sie brauchen deshalb zwar unsere Aufsicht, aber nicht unser permanente Fürsorge und Betreuung. Schon Kleinkinder können sich selbst beschäftigen, wenn sie es lernen können.

Kinder brauchen Fürsorge, Schutz und auch die Kontrolle der Eltern. Um aber selbstständig werden zu können, müssen sie dies in kleinen Schritten lernen. Dafür gibt es keine Gebrauchsanweisungen, denn nicht jedes Kind ist gleich zu behandeln und benötigt das gleiche Mass an Unterstützung.

Trauen Sie sich und den Kindern etwas zu

  • Wie viel und was Sie den Kindern erlauben, sprechen Sie am besten gemeinsam ab und entscheiden als Eltern, was möglich ist.
  • Nehmen Sie Ihre Ängste wahr und ernst. Reden Sie mit den Kindern über Ihre Sorgen und Befürchtungen.
  • Vertrauen Sie Ihrer Intuition und Ihren Kindern.
  • Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus. Auch sie haben Ängste und fürchten um ihre Kinder.
  • Sagen Sie nicht aus Prinzip NEIN. Denken Sie öfter an Ihre Kindheit und Ihre Erfahrungen in Bezug zur gegebenen Situation.
  • Bestehen Sie auf klare Abmachungen und die Einhaltung dieser Vereinbarungen.

Eltern, die ihren Kindern etwas zutrauen, wissen sich auf ihren Nachwuchs zu verlassen. Dazu brauchen Sie keine Handys oder ein GPS-Ortungssystem. Es ist nicht einfach für die Eltern, aber die Kinder brauchen diesen Mut und das Zutrauen.

Wenn Du sich an die eigene Kindheit und an viele kleine Krisen und Freuden, die Du in dieser Zeit erlebt haben, erinnerst, kann Dir das bei diesem Loslösungsprozess helfen. Auch die Frage nach dem Verhalten der eigenen Eltern in Ihren jungen Jahren, kann eine gute Unterstützung sein.

Bildquelle: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Submit to DeliciousSubmit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to StumbleuponSubmit to TechnoratiSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn